Auf der rechten Seite des Doms geht man durch das gotische Portal des sogenannten ‚neuen Doms', d.h. des ehrgeizigen Projekts der Domerweiterung von 1339, und kommt so über eine schöne Freitreppe auf die Piazza S. Giovanni, an der man die schöne gotische Fassade des Baptisteriums sehen kann, die fast gleichzeitig mit der des Doms fertiggestellt wurde, d.h. um 1380.
Der Bau des Baptisteriums geht auf die Jahre 1316-1325 zurück, und dieses bildet eine Art Krypta der Kathedrale. Es handelt sich um einen beeindruckenden dreischiffigen Raum mit freskengeschmückten Deckengewölben. Unter den Fresken stechen die hervor, die von Lorenzo di Pietro, gen. Il Vecchietta, ausgeführt wurden und Propheten und Sybillen, die Aposteln und die Wahrheiten des katholischen Glaubensbekenntnisses darstellen. Diese Gemälde wurden zwischen 1447 und 1450 noch in einer Art gotischem Stil ausgeführt.
Aber die größte Attraktion ist das Taufbecken, das 1417 von Jacopo della Quercia begonnen wurde. Jacopo stellte hier in Bildhauerarbeit den sechseckigen Tempel mit der schönenen Statue Johannes d.T. auf der Spitze dar, wobei die Muttergottes mit Kind jedoch ein Werk des Sieneser Bildhauers Giovanni di Turino ist. Auf dem Becken darunter wird auf sechs Bronzetafeln das Leben Johannes des Täufers erzählt, unter denen wegen ihrer hohen Qualität die hervorstechen, die von den Florentinern Lorenzo Ghiberti und Donatello ausgeführt wurden. Von Ghiberti sind die Tafeln mit der Taufe Christi und der Festnahme Johannes des Täufers, während Donetello 1427 mit der Darstellung des Bankett des Herodes ein großartiges Werk der neuen Renaissancekunst schuf, sowohl wegen seiner eigentümlichen Reliefkunst, die auch als „zusammengepresst" bezeichnet wird, als auch wegen der komplexen perspektivischen Schichtung.